Albert Birbaumer, Gründer und Managing Director von Ricmas und JURAs Distributor für Südostasien, führt CoffeeBreak exklusiv durch seine Wahlheimat Singapur.

Wenn wir an Asien denken, fallen uns spontan kulinarische Reisen durch Restaurants ein, die für uns den fernen Kontinent repräsentieren; Gerichte, deren exotische Namen wir uns nicht merken können, nur ihre Nummern auf der Menükarte: die 21 zur Vorspeise, die 57 als Hauptgang – bitte nicht zu scharf – und die 93 zum Dessert. Doch nun wird Asien zum ersten Mal als Destination konkret. Voller Vorfreude schwärmen wir Freunden gegenüber vom geplanten Trip nach Singapur und erhalten nicht selten ein beinahe desillusionierendes »Da hatten wir schon mal ein paar Stunden Aufenthalt, aber wir kennen bloß den Flughafen« zu hören. Dem gegenüber steht Albert Birbaumers »Ihr werdet euch in diese Stadt der Superlative verlieben!«. Das klingt vielversprechend. Nachdem uns die adrette Flight Attendant im Video mit den Notausgängen vertraut und in die Funktionsweise der Schwimmwesten eingefuchst hat, zurren wir erwartungsfroh die Gurte fest und überantworten unser Leben für die kommenden zwölfeinhalb Stunden Airbus, den Gesetzen der Physik und den Fähigkeiten der Piloten.

 

In aller Frühe macht uns der Blick aus dem Fenster glauben, wir schweben auf einen Flughafen mit den Formen einer futuristischen Stadt aus einem alten Science-Fiction-Film zu. Der Flieger kommt zum Stillstand, die Triebwerke verstummen, einige Fluggäste applaudieren, Touristen, andere nicht, Businessleute. »Thank you for flying with us.« Bitte. Ungeduldig erwarten die Reisenden ihr Gepäck, nehmen es, liebevoll wie einen verloren geglaubten Freund, in Empfang und strömen im Menschenfluss zum Ausgang. Dort erwartet uns Albert mit einem sanftmütigen Lächeln und einem vertrauten »Grüezi mitenand«. Wir fühlen uns zu Hause.

Die Straße, auf der uns Albert der Küste entlang zum Raffles Hotel fährt, säumen üppig grüne Bäume und in leuchtenden Farben blühende Sträucher. Vor einem von der Morgensonne in ein warmes Weiß getünchten Gebäude im Kolonialstil stoppt er. »Da wären wir«, zerstreut er unsere Zweifel daran, ob wir tatsächlich an diesem exklusiven Ort, dessen Name auf den britischen Forscher und Gründer von Singapur, Sir Thomas Stamford Raffles, zurückgeht, absteigen werden. Augenblicklich wimmelt es von dienstbaren Geistern, die sich um unser Gepäck kümmern und uns aufs Zimmer begleiten. Alberts »Macht euch schnell frisch, dann treffen wir uns in der Lobby zum Rundgang durch die CBD Area« in den Ohren, trotzen wir dem aufkeimenden Jetlag mit einer kühlen Dusche und googeln CBD Area. »Central Business District«, klärt uns der jederzeit und überall verfügbare Enkel des verstaubten Brockhaus auf. Wohlan, wir sind bereit.

Touristische und traditionelle Programmpunkte

»Zuerst führe ich euch durch das touristische Singapur, damit ihr zu Hause mitreden könnt«, beginnt Albert verschmitzt. »Dann lernt ihr das traditionelle kennen. Einverstanden?« Selbstverständlich. Beim studierten Physiker, den es vor rund dreißig Jahren fast zufällig aus der Schweiz hierher verschlug, fühlen wir uns in allerbesten Händen. Draußen herrscht geschäftiges Treiben. Unzählige Europäer und Amerikaner wuseln durch die Straßen. »Jedes Jahr besuchen Millionen von Touristen diese Region«, klärt uns Albert auf. »Echte Singapurer verbringen jedoch nicht mehr Zeit als nötig hier. Viele arbeiten in einem der unzähligen Bürokomplexe, wohnen aber außerhalb und pendeln täglich bis zu zwei Stunden – pro Weg.«

Albert charakterisiert Singapur als Stadt, in der alles höher, schneller, weiter, größer ist. Die Beweisführung lässt nicht lange auf sich warten. Der 165 Meter hohe Singapore Flyer mit seinen 28 klimatisierten Kabinen, von denen wir eine betreten, galt bei seiner Einweihung im Jahr 2008 als größtes Riesenrad der Welt. Sechs Jahre hielt das imposante Meisterwerk der Technik den Titel inne. »Dann haben die Amis in Las Vegas ein um zwei Meter sechzig höheres Riesenrad gebaut«, mäkelt Albert leicht kopfschüttelnd. Doch das tut dem atemberaubenden Blick aus schwindelerregender Höhe keinen Abbruch.

Beim Verlassen der Kabine schlägt uns die feuchte Hitze mit der Wucht eines Schwergewichtsboxers ins Gesicht. »Daran gewöhnt man sich«, tröstet uns Albert lakonisch. Spätestens als wir durch die Gardens by the Bay schlendern, die traumhaft üppige Vegetation auf uns wirken lassen und fasziniert Blüten und Blätter, Düfte und Klänge förmlich aufsaugen, sind Hitze und Schweiß vergessen.

Sehenswürdigkeiten zu Wasser entdecken

Albert schlägt eine Flussfahrt vor. Eine fabelhafte Idee, ziehen doch dabei Sehenswürdigkeiten an uns vorbei, die uns das Staunen lehren: Das Marina Bay Sands zum Beispiel, ein gigantischer Bau, den wir bislang bloß aus Filmen kannten. Seine drei ultramodernen Türme sind mit einer Poolanlage verbunden. Oder das ArtScience Museum, dessen Aussehen von Stararchitekt Moshe Safdie einer Lotusblüte nachempfunden wurde.

Weiter vorne schiebt sich der Merlion in unser Blickfeld. Seit 50 Jahren steht er hier als das Symbol für die Stadt und speit munter Wasser. Der Fischkörper mit dem Löwenkopf verbindet sinnbildlich den einstigen Fischerort (mer = Meer) und die Bedeutung von Singapurs anfänglichem Namen Singapura (»kota singa« = Stadt der Löwen).

Die nächste Station auf Alberts Programm ist die Orchard Road. »An der über zwei Kilometer langen Straße findet ihr alles, was das Herz begehrt. Natürlich auch JURA.« Seine Augen glänzen vor Freude, als er uns in einem Luxuskaufhaus an allerbester Lage den großzügigen JURA-Auftritt zeigt. »Nehmt euch morgen richtig Zeit zum Bummeln und Shoppen. Ihr werdet es nicht bereuen … oder zumindest nicht, bis euch die Kreditkartenabrechnung ins Haus flattert.« Er lacht schelmisch. 

Wie man in Singapur Kaffee trinkt – und was man isst

Es ist beinahe unmöglich, die Fülle der Eindrücke zu verarbeiten. Um uns wieder zu erden, schlägt Albert eine Kaffeepause vor. Er führt uns durch die kunterbunte Haji Lane, welcher entlang sich kleine Läden, Modeboutiquen und Cafés, wie man sie aus dem Mittleren Osten kennt, aneinanderreihen. Im Papa Palheta kommen wir etwas zur Ruhe … und zu einem köstlichen Kaffee. »Das ist nicht selbstverständlich«, verrät uns Albert. »Vielerorts in Singapur wird ›Sockenkaffee‹ serviert.« Wie bitte? »Das ist eine Art Filterkaffee, nur dass als Filter eine spezielle Socke dient. – Natürlich eine ungetragene«, ergänzt er feixend. Doch hier, beim Röster und JURA-Kunden, wo jede Sorte, jede Mischung, jede Röstung ihre eigene Geschichte hat, stärken wir uns mit Latte macchiato auf Weltklasseniveau.

 

»Hunger?«, will unser Reiseführer wissen. Was für eine Frage. Wir lieben die asiatische Küche und können es kaum erwarten, sie in ihrer ursprünglichen Form zu kosten. »Prima, dann wird euch das Chomp Chomp überwältigen.« Und tatsächlich, das famose Food Centre hält, nein, übertrifft Alberts Versprechen. Welche Auswahl, welch Fülle, welch Frische! »Wenn ihr jetzt nicht den Stachelrochen vom Grill probiert, werdet ihr es bereuen!« Damit nimmt uns Albert die Qual der Wahl ab. Und weil zwei Premieren besser sind als nur eine, ordert er dazu Zuckerrohrsaft mit Zitrone und sauren Pflaumen. Ein Gedicht! Genauso wie der Karottenkuchen, mit dem wir das Mahl abschließen.

»Von einem, der auszog, den Asiaten das Kaffeetrinken zu lehren«

Quer durch die City fahren wir danach zum International Business Park, wo sich im German Centre Alberts Büros und das JURA Hospitality Center befinden. Wir spüren die Begeisterung jenes Mannes, der hier vor drei Jahrzehnten ein Energiesparprojekt realisierte (um sich während des langen Krankenhausaufenthaltes seines Reisebegleiters die Zeit totzuschlagen, wie er sagt) und dann rein zufällig, durch seine guten Kontakte, ins Kaffeemaschinen-Business schlitterte. »Von einem, der auszog, den Asiaten das Kaffeetrinken zu lehren«, wäre ein treffender Titel für die vielfältig verästelte, aber dennoch stets nach oben strebende Biografie Alberts. Obwohl er hier, in Asien, längst verwurzelt und bestens vernetzt ist, beschleicht ihn zuweilen ein wehmütiges Gefühl beim Gedanken an seine alte Heimat. »Manchmal vermisse ich die klischeehafte Schweiz«, vertraut er uns an. »Die schneebedeckten Berge, die stahlblauen Seen, die weiten Felder und die Kühe – nicht auf dem Teller, sondern auf der Weide.«

Entspannung und Stille zum Abschluss des Tages

Gegen Abend machen wir uns auf den Weg in »sein« Singapur. Hier, im 23. Distrikt, unweit des Bukit Panjang New Market, wo sich die Singapurer ihr Essen holen (»Singapurer kochen nicht selber!«), befindet sich Alberts Zuhause, nur einen Steinwurf vom Bukit Batok Town Park entfernt, wo er regelmäßig beim Yoga anzutreffen ist. Dieser Ort setzt mit seiner meditativen Stille einen willkommenen Kontrapunkt zum Trubel der Großstadt, lädt mit seinem See, dem markanten Felsen, dem vielen Grün zum Verweilen ein, zum Krafttanken. Und genau das tun wir, schweigend, erschöpft, aber glücklich, bevor wir uns dankbar von Albert verabschieden.

 

Im Hotelzimmer zollen wir den Strapazen der langen Reise und des grandiosen ersten Tages mit einem entspannenden Sprudelbad Tribut. Dann legen wir Alberts lange Liste mit Insider-Tipps auf den Nachttisch, knipsen das Licht aus und schlafen voller Vorfreude auf unsere weitere Zeit in der Stadt der Superlative fast augenblicklich ein.



Fotos: Andrew Chua & fotolia