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Mein Bern

Wenn Martin Bürki nicht in seiner Funktion als Area Manager für JURA im Fernen Osten Märkte aufbaut und Distributoren unterstützt, verbringt er die Freizeit gerne in seiner Heimatstadt. Wo er Kraft tankt und was man in der Schweizer Hauptstadt auf keinen Fall verpassen darf, verrät er CoffeeBreak bei einem Rundgang durch Bern.

 

Ungewohnt früh für einen Ferientag reißt uns der Wecker mit seinem penetranten Quengelton aus Morpheus’ Armen. Noch etwas ungelenk schälen wir uns aus den frisch duftenden Fünfsterne-Laken. Der hochflorige Teppich unter den Füßen lässt uns wie auf Wolken zum Balkonfenster schweben. Als sich nach dem Öffnen der Vorhänge unsere Augen langsam an das grelle Morgenlicht gewöhnen, erschließt sich uns ein Bild von vollendeter Schönheit: das Berner Alpenpanorama in all seiner Pracht. Von diesem vermeintlich kitschigen Postkartensujet in Wirklichkeit erschlagen zu werden, ist unbeschreiblich imposant. Bloß eine halbe Autostunde von zu Hause entfernt ein Hotelzimmer zu buchen, erschien uns zunächst reichlich übertrieben. Doch spätestens jetzt verstehen wir, was Martin meinte, als er insistierte: »Wenn ihr mein Bern richtig erleben wollt, müsst ihr auch hier erwachen.«

Frisch geduscht, gekämmt und aufgehübscht treffen wir uns in der ehrwürdigen Hotelhalle mit unserem persönlichen City Guide. Das Jugendstil-Gemäuer strahlt etwas Magistrales aus. »Wo ihr genächtigt habt«, weiht uns ein strahlender Martin Bürki nach der Begrüßung ein, »lässt die Schweizer Regierung oft Staatsgäste residieren. Das Bellevue Palace befindet sich nämlich im Besitz des Bundes und ist nur wenige Schritte vom Bundeshaus entfernt.« Wir staunen und wachsen innerlich ein bisschen über uns hinaus. »Im Ersten Weltkrieg diente das Haus General Wille als Hauptquartier. Und heute wird jeweils an der Bar in der ›Nacht der langen Messer‹ vor Bundesratswahlen die Taktik für die Wahlgänge festgelegt. Inoffiziell entscheidet sich also hier drinnen die Zusammensetzung unserer Landesregierung.« Wir sind beeindruckt.

 

Auf den Spuren des Kaffees 

Zum Frühstücken führt uns Martin ins aufstrebende Quartier beim Güterbahnhof. »Die Kaffeebar Die Rösterei ist vom Keller bis zum Dachgiebel ganz auf Kaffee eingestellt. Sie gehört zu Blaser Café, der ältesten Rösterei Berns. Und schaut mal«, er deutet auf ein Regal um die Ecke, »hier gibt es unsere Vollautomaten zu kaufen.« Gestärkt mit herrlichem Kaffee und frischem Gebäck fahren wir zurück in den Stadtkern, zum Bahnhof. Ein wellenförmiges Glasdach schützt Reisende vor Regen und verbindet gleichzeitig Eingänge, Bus- und Tramstationen miteinander. Unter dem transparenten Baldachin zieht eine Altstadtgasse unseren Blick auf sich, an deren Ecke ein imposantes Gebäude thront: der Loeb, Berns ältestes Kaufhaus. »Die fantasievollen Schaufensterdekorationen sind unerreicht«, erzählt Martin und tritt den Beweis mit einer wahren Geschichte an: »1998 hat sogar einer unserer heutigen Bundesräte in einem Loeb-Schaufenster übernachtet.« Ein Spitzenpolitiker, der in aller Öffentlichkeit nächtigt – so etwas kann es wohl nur in der Schweiz geben.

JURA ist auch in Bern vertreten

Beim Ladeneingang zerzaust uns der warme Luftschleier. Wir schlängeln uns an den einladenden Auslagen vorbei und lassen uns von der Rolltreppe in die Haushaltabteilung hieven, wo an einem attraktiven JURA-Verkaufspunkt unser aktuelles Sortiment zu bestaunen ist. Bevor wir weiterziehen, grüßen wir kurz via JURA LIVE unsere Kollegin in Niederbuchsiten und degustieren natürlich einen Kaffee: »Flat White, bitte.«
Nach wenigen Schritten an frischer Luft befinden wir uns vor dem Bundeshaus; Sitz der Schweizer Regierung, Arbeitsplatz für National-, Stände- und Bundesrat. Auf dem Vorplatz stehen Marktstände dicht an dicht, an denen Landwirte aus der Region ihre Erzeugnisse feilbieten. »Immer dienstags und samstags findet dieser traditionelle Markt statt. Und viele Berner lassen es sich nicht nehmen, Gemüse, Früchte, Brot oder Käse hier einzukaufen«, weiß der Ortskundige. »Übrigens«, ergänzt er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, »spaziert besser ganz ehrfürchtig über diesen Platz. Es hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, just hier, viele Meter unter der Erde, würden die gesamten Goldreserven der Schweiz in einem riesigen Tresorraum gebunkert. Und dort drüben«, er deutet mit konspirativer Miene auf ein repräsentatives Gebäude zu unserer Linken, »ist ihre Verwalterin beheimatet, die Schweizer Nationalbank.« Stehen wir hier tatsächlich über Helvetias Antwort auf Fort Knox? Wenn Ja, lässt das die Einheimischen erstaunlich kalt. Sie schlendern ohne jegliche Hektik über den Markt, bleiben stehen, schauen, tratschen.  

Gemütlichkeit gehört in Bern zum Programm

Zeit scheint in Bern keine Mangelware zu sein. Hier ticken die Uhren bedächtiger als anderswo. Der Schweizer Hauptstadt wohnt eine wohltuende Gemütlichkeit inne. Selbst in turbulenten Situationen strahlt der weiche, runde Berner Dialekt etwas Entschleunigendes, Beruhigendes aus. Wissenschaftler untermauern dieses Bauchgefühl mit den harten Fakten einer Studie: Für ein Hektik-Rating stoppten sie in 32 Metropolen der Welt die Zeit, die Fußgänger im Schnitt benötigen, um eine Distanz von 60 Feet (18,29 Metern) zurückzulegen. Bern belegte darin Rang 30.

Bedächtig flanieren wir unter den Lauben durch die Gassen. »In der Berner Altstadt gibt es sechs Kilometer dieser Arkaden – die längste, gedeckte Einkaufsmeile Europas. Hier entdeckt man die skurrilsten Läden und kann sogar an Regentagen wunderbar shoppen, ohne nass zu werden.« An der Kramgasse zeigt er auf die Eingangstür von Nummer 49, neben der eine Bronzetafel kundtut, dass es sich um eine ganz besondere Behausung handeln muss. »Als Albert Einstein noch ein kleiner Beamter beim Patentamt war, wohnte er hier im zweiten Stock«, erzählt er. Überall fallen uns die vielen Brunnen mit ihren kunstvoll gestalteten Figuren auf. »Der furchteinflößendste von allen ist der Kindlifresserbrunnen beim Kornhaus«, berichtet Martin. »Eine gruslige Männerfigur, die in ihrer Umhängetasche kleine Kinder verschleppt.« Kinderschreckfiguren – ein mittelalterliches Erziehungs-Hilfsmittel, das in Form von Märchen und Mythen die Zeiten überdauert hat.

Nach einem Torbogen ist für einen Moment kein Durchkommen. Eine Gruppe asiatischer Touristen versperrt uns den Weg und starrt, Kameras, Handys und Tablets im Anschlag, gebannt nach oben. Martin grinst: »Der Zytglogge-Turm – eines unserer Wahrzeichen. Die astronomische Uhr und das Glockenspiel stammen aus dem Mittelalter. Sie zieren wahrscheinlich Millionen von Fotoalben weltweit. 

Blick über die Stadt und ins Münster

»Jetzt folgt eine kleine Sporteinheit«, kündigt unser Stadtführer an. »Ihr werdet dafür aber mit einem traumhaften Blick über die Stadt belohnt.« So erklimmen wir die Stufen zur Aussichtsplattform auf dem Münsterturm. Tatsächlich, Martin hat nicht zu viel versprochen. Von oben betrachtet, ist die Altstadt von Bern ein wahres Bijou: Historische Dächer, teils mit Luken und Türmchen, wohin man blickt, durchfurcht von sorgfältig gepflasterten Sträßchen, geteilt von der allgegenwärtigen Aare. 

Wieder unten angelangt, stoßen wir die schwere Pforte zur Kirche auf. Der Innenraum überrascht. »Der Bau des Münsters wurde während der Reformation unterbrochen. Das katholischprunkvolle Chorgewölbe war allerdings gerade zuvor fertiggestellt worden. Es wird vermutet, dass der Staat Bern es vom obrigkeitlich organisierten Bildersturm ausnahm, weil er selber für dieses finanziell aufgekommen war. Vielleicht hingen die wunderschön bemalten Steinfiguren aber auch einfach zu hoch oben. Das macht das Berner Münster im Chorbereich zu einer ungewohnt opulenten reformierten Kirche.«

Der Bär darf in Bern nicht fehlen

Unter den Kastanienbäumen der Münsterplattform gönnen wir uns eine kleine Erfrischung und genießen dazu den Blick auf die Aare und die Kirchenfeldbrücke. »Schaut mal dort drüben«, macht uns Martin aufmerksam. Es herrscht heiteres Treiben. Menschen unterschiedlichsten Alters unterhalten sich beim Spiel. Einige rauchen. »Hier treffen sich Banker, Studenten und Politiker zum Pétanque.« Wir beobachten sie eine Weile und sind perplex, wie frei sich in der Schweiz Personen des öffentlichen Lebens bewegen können. Auch wir bewegen uns weiter. Mit dem bestimmt schrulligsten Transportmittel der Stadt: Das Senkeltram, ein historischer Personenaufzug, befördert uns für einen Fahrpreis von CHF 1,20 pro Person binnen Sekunden ins 31 Meter tiefer gelegene Mattenquartier, von wo aus wir zum Bärengraben spazieren, der heute Bärenpark heißt. »Schon vor gut 450 Jahren hielten sich die Berner ihre Namensgeber und Wappentiere als Attraktion in einem Graben. Was wir jetzt besichtigen, ist bereits die vierte Anlage. Sie wurde 1857 eingeweiht und 2009 durch eine über 6 000 Quadratmeter große Freianlage ersetzt«, versorgt uns Martin mit Hintergrundwissen. Zum Glück, denken wir, denn so drollig früher Meister Petz in seinem Lochgefängnis auch zu betrachten war, so entwürdigend und artfremd wurden die Tiere während Jahrhunderten gehalten.

Die frische Luft macht hungrig. Martin schlägt vor, im Restaurant Rosengarten einzukehren. Die Anhöhe gestattet eine atemberaubende Sicht auf die Aareschlaufe und die untere Altstadt. 

»Ein Muss für jeden echten Berner!«

Während die Aare plätschert, sprudelt Martin – vor Anekdoten und Geheimtipps. »Ins Marzili müsst ihr unbedingt. In der legendären Fluss-Badeanstalt direkt unter dem Bundeshaus reihen sich zur Sommerzeit sonnenhungrige Körper auf ihren Strandtüchern so eng wie Bratwürste auf dem Grillrost aneinander. Und ihr müsst in der Aare schwimmen gehen«, schwärmt er. »Eine herrliche Erfrischung und ein absolutes Muss für jeden echten Berner!« Martin spricht von den vielen stimmungsvollen Kellerbars und der Kultur, die überall stattfindet. Als Pièce de résistance führt er uns ins Zentrum Paul Klee am Stadtrand. Renzo Piano schuf einen Bau von einzigartigem Charakter, der mit rund 4 000 Werken die bedeutendste Klee-Sammlung der Welt beherbergt. Die Adresse sagt alles: Monument im Fruchtland. Das ZPK bietet eine ideale Kulisse für Wechselausstellungen, Musik, Literatur, Theater und diverse Begleitprogramme. Es allein wäre einen Tagesausflug wert.

»Apéro?«, fragt Martin und rennt damit offene Türen ein. Im charmanten Biercafé Au Trappiste rettet uns ein exzellenter Gerstensaft vor der befürchteten Dehydration. Als wäre der Tag nicht schon mit genügend Highlights gespickt gewesen, überrascht uns Martin zum Abendessen ein weiteres Mal. »Das Casa Novo ist für mich wie ein zweites Zuhause«, sprach’s und ward aufs Herzlichste willkommen geheißen. »Hier trifft spanische Spitzengastronomie auf Berner Gemütlichkeit und Gastfreundschaft.« Auf der schönsten Aareterrasse Berns überkommt uns das wohlige Gefühl südländischer Ferienstimmung. Bis spät in die Nacht zollen wir Lukullus und Bacchus Tribut, bevor wir das Lokal, das wir als Fremde betraten, als Freunde verlassen. Auf dem Weg zurück gönnen wir uns noch einen Schlummertrunk im stylischen Du Théatre – schließlich liegt es so schön am Weg …

An diesem einen Tag hat es Martin geschafft, aus seinem Bern auch ein klein wenig »üses Bärn« zu machen. Tausend Dank dafür! Und seine Liste an Geheimtipps ist noch lang. Morgen werden wir uns weiteren Stationen darauf widmen. Doch zuvor nächtigen wir noch einmal – ganz staatsmännisch – im »Bellevue Palace«.


Fotos: Jonas Spengler